Eltern abgeschlagen: Kinder unter 12 verbringen mehr Zeit mit dem Tablet als mit ihrer Familie

Eltern abgeschlagen: Kinder unter 12 verbringen mehr Zeit mit dem Tablet als mit ihrer Familie

Die Digitalisierung schreitet voran – und mit ihr verändert sich der Familienalltag. Neue Studien zeigen: Kinder unter 12 Jahren verbringen mittlerweile mehr Zeit am Tablet als mit ihren eigenen Eltern. Experten und Eltern sind gleichermaßen alarmiert. Doch woran liegt das – und was bedeutet das für die Entwicklung der Kinder? Laut einer aktuellen Umfrage der DAK-Gesundheit liegt die durchschnittliche Bildschirmzeit von Kindern zwischen 6 und 12 Jahren bei bis zu 2,5 Stunden täglich – Tendenz steigend. Gleichzeitig berichten viele Familien, dass die gemeinsame Zeit mit Mutter oder Vater deutlich unter dieser Marke liegt.

„Das Tablet übernimmt bei vielen Familien die Rolle des Erziehers – weil die Eltern gestresst oder abgelenkt sind“, erklärt Medienpädagogin Sandra Mertens. Besonders alarmierend: Schon Vorschulkinder greifen regelmäßig zu YouTube, Lern-Apps oder Spielen – während echte Gespräche mit den Eltern oft auf der Strecke bleiben.

„Das iPad ist ruhiger als ich.“ Viele Eltern geben offen zu, dass digitale Geräte im Alltag „praktische Helfer“ sind. „Wenn ich koche, gebe ich meiner Tochter das iPad – so habe ich meine Ruhe“, sagt eine Mutter in einer Elternumfrage. Doch Psychologen warnen vor den Folgen: Kinder brauchen echte Interaktion, Mimik, Emotionen und Vorbilder – keine digitalen Bildschirme.

Was macht das mit Kindern? Studien zeigen, dass zu viel Bildschirmzeit im jungen Alter Auswirkungen auf Konzentration, Sprachentwicklung und Sozialverhalten haben kann. Besonders riskant ist es, wenn Tablets echte zwischenmenschliche Erfahrungen ersetzen.

Kinder lernen durch Beziehung – nicht durch Pixel“, sagt Kinderarzt Dr. Thomas Rüther. Lernspiele und Videos können sinnvoll eingesetzt werden, doch sie dürfen nicht das persönliche Miteinander ersetzen.

Sind die Eltern wirklich schuld? Nicht alle sehen das Problem bei den Eltern. In vielen Familien fehlt schlichtweg die Zeit – Job, Haushalt und Stress belasten den Alltag. Viele wünschen sich klare Regeln oder Unterstützung, um den Medienkonsum der Kinder besser zu steuern.

Ein Lösungsansatz: Medienzeiten gemeinsam planen, Alternativen schaffen (Spielen, Vorlesen, Kochen) – und vor allem: selbst Vorbild sein. Wer ständig am Handy hängt, sendet eine klare Botschaft an sein Kind.

Fazit Das Tablet kann ein tolles Werkzeug sein – doch es darf Eltern nicht ersetzen. Kinder brauchen Nähe, Gespräche, Streits und Versöhnung. Kein Display der Welt kann das leisten. Es ist Zeit, wieder mehr miteinander zu leben – und weniger nebeneinander mit Bildschirm.